G e d i c h t e von Norbert Lercher

Das Herz

Das Herz, medizinisch gesehen nur ein Organ,
der Mensch braucht es, damit er leben kann.
Es pumpt Blut durch den Körper kreuz und quer,
wenn es nicht mehr pumpt, lebt man nicht mehr.

Es besteht aus Muskeln und zwei Kammern,
beim Infarkt fängt der Mensch an zu jammern.
Das ist der Teil den man wirklich sehen kann,
und der ist eigentlich gleich bei Frau und Mann.

Ein Herz darf aber nicht nur medizinisch sehen,
man kann auf das Herz hören und es auch verstehen.
Das Herz kann brechen, ohne dass es bricht,
man kann es verschenken ohne dass man es gibt.

Ein Herz kann schmerzen ohne krank zu sein,
man ist traurig , bleibt ein Herz so ganz allein.
Liebende schnitzen ein Herz in den Baum,
lieblose Gesellen kennen ein Herz wohl kaum.

Mütter tragen ihr Kind unter dem Herz,
Verlassene spüren im Herzen den Schmerz.
Das Herz gibt uns mehr als nur das Leben,
mit ihm wurden uns auch Gefühle gegeben.

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Männer sind alles Verbrecher

Wir kennen uns gerade knapp drei Stunden,
schon kenn’ ich deinen gesamten Lebenslauf.
Ich steh’ hier und lecke mit dir die Wunden,
irgend wie bist du wohl nicht so gut drauf.

Dass wir Männer allesamt nur Schufte sind,
war mir eigentlich so noch nicht bekannt.
Du fühlst dich jetzt so alleine mit dem Kind,
dein Mann ist mit einer anderen durchgebrannt.

Ich höre, du seiest ein großer Idiot gewesen,
weil du auf so eine Niete reingefallen bist.
Wollte dir alle Wünsche von den Augen lesen,
er hat nicht Wort gehalten, dieses Biest.

Ich frage, wo die Liebe ist denn geblieben,
die doch irgend wann mal in euch brannte.
Was hat dich in die Verbitterung getrieben,
wo ist die Faszination, die dich mal bannte.

So langsam kommen mir doch Bedenken,
warum tue ich mir das eigentlich hier nur an.
Wollte etwas Aufmerksamkeit dir nur schenken
statt dessen schimpfst du über deinen Mann.

Männer sind alle gleich und auch Verbrecher,
trauen kann man keinem, hör ich dich sagen.
Du erinnerst mich an einen bösen Rächer,
dir zu widersprechen mag ich kaum wagen.

Nun werde ich mich zum Gehen zwingen,
denn so langsam wird es mir doch zu viel.
Wollte einen schönen Abend nur verbringen,
plaudern und weil dein Gesicht mir gefiel,

Ich weiß, ich bin leider auch nur ein Mann,
so ein Verbrecher, wie du uns alle nennst.
Und dann sehe ich dich noch einmal an,
gehe, bevor du mich noch kennen lernst.

Schnell bezahle ich, was wir getrunken,
hinterlasse einen flüchtigen Abschiedsgruß.
Vor der Bar, in Gedanken noch versunken,
ich bin ein Verbrecher, von Kopf bis Fuß.

Eigentlich bin ich doch ein ganz lieber Mann,
jedenfalls war das so vor dem Besuch der Bar,
der Gesetze achtet, redlich und treu sein kann.
Nein, ein Verbrecher, das ist nun mir klar.

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Wieder allein

Ich war allein, leer mein Herz,
lange war der Seele Schmerz.
Dann kamst du wie ein Beben,
tratst so einfach in mein Leben.
Der Anfang war nicht immer leicht,
fürs Zusammenleben hat’s nicht gereicht.
Zu verschieden waren wir lange Zeit,
nun aber wär’ ich für dich bereit.
Gemeinsam wollten wir in die Zukunft sehen,
einen Teil unseres Lebens gemeinsam gehen.
Jetzt, da wir uns zusammen raufen,
wir wollten doch die Wohnung kaufen.
Da sagst du, du muss beruflich fort,
weit weg, an einen anderen Ort.
Ich frage mich, was wird denn nun,
was soll ich in der Sache tun?
Du sagst, die Liebe bleibt bestehen,
auch wenn wir uns dann weniger sehen.
Das Wochenend, so hör ich es dann,
ich komm zu dir, wenn ich kann.
Ich weiß, du wirst tröstend zu mir sagen,
die Liebe kann so viel ertragen.
Anfangs wird es wohl auch so sein,
die ersten Wochenende Sonnenschein.
Doch mit der Zeit, ich kann’s verstehen,
werden wir uns immer wenige sehen.
Du wirst einen anderen Mann treffen,
der Gedanke lässt mich schmerzen.
Und es wird der Tag nicht fern mehr sein,
wo ich wieder bin mit mir allein.
Der Gedanke bricht mir das Herz,
ich bin allein mit meinem Schmerz.
Diese Zeilen bleiben hier bei mir,
ich möchte keinen Zwiespalt säen in dir.
Ich lass dich ziehen, halt dich nicht zurück,
wünsche dir zum Schluss sehr viel Glück.

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Ich weiß nicht, warum ich gestern in die Kneipe ging,
das ist dienstags eigentlich eher selten so mein Ding.
Das Training war zwar länger als an anderen Tagen,
war das der Grund, ich kann es nicht mehr sagen.

Ich trank ein Kölsch, zwei, drei und noch paar mehr,
ne Frikadelle, das ist Tradition, musste auch noch her.
Da sah ich dich, nicht weit von mir am Tresen stehen,
es war wie ein Blitz, ich musste ständig zu dir sehen.

Du trugst ein paar Ringe, ich sah das im diffusen Licht,
einen Ehering trugen deine schlanken Händen nicht.
Ab und an konnte ich in deine großen Augen schau’n,
ich war wie gelähmt, sie waren auch noch braun.

Wie all zu gerne hätte ich das Gespräch mit dir gesucht,
ich traute mich nicht, dazu fehlte mir einfach der Mut.
Der Typ an deiner Seite sah auch wild und kräftig aus,
ich ließ es beim Träumen, ging bald auch nach Haus.

Jetzt sitz ich hier verträumt, denk die ganze Zeit an dich,
was wär gewesen, hätte ich dich angesprochen, frag ich mich.
Ich hake das nun ab unter der laufenden Rubrik „Versäumen“,
eines kann mir keiner nehmen, ab und an von dir zu träumen.


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